"Ein gutes Buch...

...ist wie eine bunte Blumenwiese, ein Fest für alle Sinne"

Von Raben und Bären

Ich war ein ziemlich verträumtes Kind, und ehrlich gesagt, bin ich das auch heute noch.
Auf jeder längeren Autofahrt drehte sich meine Mutter zu mir herum und fragte über die Schulter: „Bist du noch da?“
Ich antwortete stets gewissenhaft und knapp: „Ja“, um dann unverzüglich wieder einzutauchen in meine wunderbare Welt von armen Prinzessinnen, tollkühnen Helden, kargen Landschaften, düsteren Mooren und natürlich uralten Ruinen. Manchmal waren wir, für mein Empfinden, viel zu schnell an unserem Ziel angekommen, denn ich hatte meine Geschichte innerlich noch gar nicht zu Ende erzählt.

Meine Familie störte sich nicht an meiner ausgeprägten Fantasie, im Gegenteil, ich durfte einfach sein wie ich bin.
Durch mein Elternhaus wehte stets ein kreativer Geist, wir unterhielten uns stundenlang über Literatur und Kultur, besuchten Ausstellungen und Museen, Konzerte und Theateraufführungen gehörten zu unseren monatlichen Pflichtterminen. Wir musizierten, sangen, reimten und texteten mit großer Freude zu jedem Geburtstag oder Jubiläum, unseren weitschweifenden Ideen waren keine Grenzen gesetzt. Diese entspannte Atmosphäre prägte mich sehr und so war es nicht verwunderlich, dass eines Tages zwei kleine Glasfiguren - ein Rabe und ein Bär - aus dem Wohnzimmerschrank meiner Oma zu den Titelhelden meines ersten Buches wurden.

Ich war damals in der fünften Klasse und so stolz auf mein literarisches Werk, dass ich in den darauffolgenden Monaten drei weitere folgen ließ. Den krönenden Abschluss meiner Buchreihe bildete ein kriminalistisches Meisterstück, an dessen Ende natürlich der Gärtner der Täter war. 

Nun ja, wie war das mit dem „Meister“ und dem „Himmel“?
Nach diesem kurzen Gastspiel verlor sich vorerst meine literarische Spur im Dickicht meiner allgemeinen Zukunftspläne und fiel in einen fast hundertjährigen Schlaf…


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